Wanderung am 8. Mai 2003

 Lange Strecke und bestes Bauerntheater

 

 

 

„Mann“ kann es drehen und wenden wie man will. Ab und zu braucht jeder ein bischen Glück. Die Muskeltiere hatten es bei dieser Wanderung ausreichend. Sie haben es aber  auch verdient. Aber nun der Reihe nach.

Treffpunkt Weinbergstrasse. Alle fünf, diesmal ohne Senno. Der Otmar versteht es immer wieder seine Wandervorschläge so zu veredeln, dass nicht einmal der Jannis murrt. Das kommt meistens später mit zunehmenden Wanderkilometern. Diesmal waren es ca. sechzehn. Reichenbach - Weiler - fast in Sulpach – Fischweiher – Rosswälden - Hochdorf- Reichenbach. Schon bei dieser Aufzählung wird jedem Leser klar, dass es sich um Profi-Muskelstiere (!!!) handelt! Nachdem wir am Fischweiher lange darüber diskutierten, ob der einzige Fisch, den wir gesehen haben, ein Karpfen oder ein Hecht war und uns nicht einigen konnten, beschlossen wir weiterzulaufen. Bevor wir in der Wildnis verdursten sollten wir den „Ochsen“ in  Rosswälden erreichen. Der Tiroler Wirt und die Stammtischgäste haben unser „Grüßgott“ schwäbisch reserviert aber freundlich erwidert. Die Mischung am Stammtisch mit dem groß gewachsenen, fünfundsechzigjährigen Christian aus Hochdorf, den stämmigen, einheimischen Bauern, dem zurückhaltenden kleinwüchsigen Wirt und den fünf Muskeltieren am Nebentisch stimmte.

Der Christian, ein Chirurg a. D., aus der Ukraine kam 1946 mit seine „Maaama“ in das gelobte Schwabenland. Später hat er als Jagdflieger im Geschwader  „seventy four“  einen Scheinangriff auf den Chiemsee - oder „Chemiesee“, wie er sagte - unternommen  und siehe da, die Freundin wurde schwanger!! Seitdem ist er mit der „Chemiesee“ verheiratet. Er hier - sagt der Christian - und zeigt auf den daneben sitzenden Bauern kann kein Schwabe sein. Er verschenkt zehn Festmeter, zum Abtransport vorbereitetes, bestes Brennholz. So wirst du deine Ägypten Reise niemals finanzieren! So ist es aber!! Wo ist denn dein Holz? In Kanadaaa!!  Ägypten war das Stichwort für die immer hilfsbereiten Muskeltiere -Ägyptologen. Wir haben mindestens drei. Du darfst deine Frau nie allein lassen, nicht ungekochtes essen, nur aus der Flasche trinken und vorbeugend gegen Durchfall morgens, mittags und abends einen Schnaps trinken. Man hat es direkt sehen können, wie überwältigt der Bauer von so viel Fachwissen war. Ja, sagt er, wenn ich es so überlege, das ist ja wie wenn ich zuhause wäre!! Ich werde aber auf jeden Fall eine Flasche Willi mitnehmen. 

Nachdem wir den Christian und den Bauern so langsam näher kennen lernten, betrat der Karl die Wirtschaftsbühne. Kein großer; dazu noch mit einen sehr tief liegenden Hosengürtel und mit einen etwas verlorenen Blick aber schwäbisch stur gerade ausgehend. Schob manche Stühle beiseite und setzte sich an den Stammtisch. Ist der Karl dicht, dachten die Muskeltiere. „Ja Karle bist du auch da“, begrüßt ihn der Christian. „Halt dein Gosch, du Arschlöcher. Ich heiße Karl und nicht Karle“. „Karle passt aber besser zu dir und Arschlöcher ist doch Mehrzahl, ich bin aber allein“. „Macht nichts, damit treffe ich besser“. „Karle, dein Kopf ist so massiv, da hat Hirn keinen Platz“. Pause und sofort geht es weiter, wie einstudiert. Karle meint, Christian habe ein sauberes Weib vom Chiemsee. Das habe er nicht verdient. „Also, Karle du kannst zu mir kommen, mit der  „Chemiesee“ flirten oder sonst noch was machen, aber lass die Finger von meinen Essiggurken!!“ Was soll man von so einem Flüchtling halten? Vom Jagdgeschwader erzählt er. Da hat er vielleicht mal das Flugzeug tanken dürfen. „Also Karle, ich will ja nicht, wie die anderen, mit Schlössern meiner Familie und mit Titeln prahlen. Ich sage dir nur eins: In unserem Gut in der Ukraine hatten wir 10 Ar Schnittlauch! Nur für das Personal! Der wurde mit der Sense abgemäht!  Und wir sind sechsspännig in die Räucherkammer gefahren!!“ „Aber….“, versucht der Karle, aber er kam nicht weiter. „Und mit solchen Mostköpfen wie Deinem haben wir die Kellerfenster zugemacht, dass die Rüben nicht erfrieren.“ Bei so einer geballten Ladung hat der Karle immer sein K.O.-Argument parat: „Du Arschlöcher!“

Nun sind die Muskeltiere dran. Wo kommt ihr her? Aus Reichenbach. Macht nichts. Das sind auch Menschen!! Und wer ist von euch Schwabe? Rate mal. Also, die zwei da (Waldemar und Gerd) sind bestimmt Preußen. Du (Roland) bist mit Sicherheit Schwabe. Warum? Weil Du so ein sparsames Gesicht hast!! Du (Otmar) könntest auch Schwabe sein. Warum? Weil Du immer die Zähne zeigst! Und was ist er (Jannis)? Er sieht aus, wie ein aufgepfropfter Schwabe. Kommst Du aus der Ukraine? Nein, sonst würde ich dich ja kennen. Also, gut Freunde. Karle, Du bist auch mein Freund. „Du Arschlöcher!“ „Das steht aber jetzt nicht im Textbuch, Karle.“

Also, Freunde, ich als Arzt und treuer Wirtskunde, ich bin jeden Tag ab zehn Uhr hier. Ich erzähle euch eine Geschichte: „Bei der mündlichen Prüfung hat unser Professor eine männliche Leiche auf der Bahre in den Vorlesungsraum bringen lassen und den herumsitzenden Studenten die Frage gestellt: Bitte um eure Diagnose: Woran ist der Mann gestorben? Hirnschlag und Herzschlag waren die vom Professor nicht akzeptierten Antworten. Da meldet sich mein Nebensitzer aus der achten Sitzreihe. Herr Professor, der Mann hat zuviel geraucht, noch mehr gesoffen und ist an Leberzirrhose gestorben. Der Prof staunt über die richtige Ferndiagnose und fragt: Bist du auch sicher? Aber klar! Ich werde doch meinen Vater kennen!!“

Zum Abschied hat der Christian noch ein paar Takte gekonnt gesungen. Die Aufforderung, mit dem Wirt zu tanzen, hat er mit der Bemerkung abgelehnt, mit diesem „Zwetschgenmann“  tanze ich nicht. Nur mit seiner „Chemiesee“.

Die Muskeltiere verabschiedeten sich lachend und klatschend mit der Zusage: Wir kommen wieder. Das waren zwei Stunden Bauerntheater vom feinsten. Wir hatten Glück.

Für die nächsten vier Wochen wird der Chronist aus dem Ausland berichten.

Aus Nikiti.

Viel Spaß.

 

 

Die verbleibenden vier Muskeltiere wünschen ihrem Chronisten einen wunderschönen Urlaub auf seinem "Schloss".

 

           

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