Wanderwoche 11. bis 18. Okt. 2003
im Bayerischen Wald

            

        Wanderungen auf den Spuren des „Rauber Heigl“  im bayerischen Wald           

Nur keine Angst. Die „Muskeltiere“ bleiben weiterhin auf der Schurwaldhöhe. Die Gerüchteküche besagt sogar, dass, wenn der Finanzminister Eichel in seinen Raubzügen mehr Beute macht, für die Urschwaben ein Reservat - wir plädieren für den Schurwald - eingerichtet wird! Da haben Roland und Otmar die besten Chancen, aufgenommen zu werden. Die „Rucksack-Schwaben-Muskeltiere“ werden die weitere Entwicklung sehr genau verfolgen.

Ich gebe zu, dass die Überschrift erklärungsbedürftig ist. Dies will ich versuchen:

Bereits Anfang des Jahres haben die - damals noch vier - „Muskeltiere“ Otmar, Roland, Waldemar und Jannis beschlossen, den Bayerischen Wald in sieben Tagen näher kenenzulernen.

Mitte Oktober, vom 11.10. bis18.10.03, wurde dieses Vorhaben umgesetzt. Da der Roland aus familiären Gründen nicht dabei sein konnte, erreichten die drei mit Anhang  Franziska, Elsbeth und Gudrun am 11.10. nachmittags ihr Ziel - das Feriendorf in der Nähe von Arrach. Abends beim Essen im Gasthof „Schmitt“ (wir haben das auf den Namen der Oma Klara umbenannt) erzählte uns die eingeborene Franziska (dem Otmar „seine“ Franziska), daß diese Ecke des bayerischen Waldes die Heimat des „Rauber Heigl“ war. Die Einheimischen sagen Rauber und nicht Räuber. Dieser junge, fesche Rauber raubte von den Reichen und verteilte es an die Armen. Ein moderner Robin Hood und ganz das Gegenteil von dem bereits erwähnten Eichel! Er verkleidete sich und bot den Frauen Schutz, die im Wald unterwegs waren und vor dem Rauber Heigl Angst hatten! Wegen der sehr stark steigenden Nachfrage Schutzbedürftiger, vor allem von jungen Frauen, musste er allerdings seine Kräfte neu sortieren, um seinem Kerngeschäft - dem Rauben - nachzugehen! Morgen werden wir das Rauber-Gebiet näher erkunden. Jannis dachte: Rauber müsste man sein. Ein bißchen Eichel und noch mehr Heigl!!

 Am 12.10. nach dem üppigen Frühstück bei Franziska legten wir los. Ziel war die Wallfahrtskirche über der Hollhöhe. Sehr geschickt von Otmar platziert. Keiner jammerte unterwegs. Nicht einmal der Jannis. Unterwegs haben wir Pilze gesucht mit geringer Ausbeute. Auf einmal standen wir vor der Wallfahrtskirche. Keine große, aber Respekt einflössend. Kerzen anzünden und sich was wünschen. Maria würde schon helfen. Es stand im Heft eingetragen: „Maria hilf mir, dass meine Schulnoten besser werden“. Jannis hat zwei Kerzen angezündet. Über seine Wünsche sagt er nicht mehr als schon erwähnt. Hilfe kam nicht! Vielleicht waren zwei Kerzen zu wenig. Das Abendessen bei der Klara war sehr gut. Das anschließende Kartenspiel bei der Franziska hat zwar der Jannis verloren, aber der mitgebrachte Trollinger schmeckte im bayerischen Wald noch besser.

 Am 13.10. nach dem üblichen Frühstück zeigte dann der Otmar sein wahres Gesicht und die ersten Folterinstrumente für Amateurwanderer. Nach Hudlach über die Kötztinger Hütte (1034 m Höhe) zum Kreuzfelsen (999 m Höhe).

Die Schurwald-Muskeltiere berichten immer stolz über die gewanderten Strecken von Kilometern.   Künftig müssen wir auch über Höhen und Steigungen was sagen. Der Weg zum Kreuzfelsen hatte Steigungen von ca. 30%!! Das ist eher der untere Toleranzbereich. Alle schnauften. Krabbeln wäre praktischer als laufen. Erstaunlich gut hielt sich Elsbeth. Mit ihren zwei Stöcken und dem Uhrwerk-ähnlichen monotonen Geräusch - tak tak - war sie meistens ganz vorne. Abends beim Essen und Kartenspielen wurde der Tagesablauf nochmals analysiert und festgestellt, dass es für alle hart war. Nur der Otmar lächelte süffisant vor sich hin. Der morgige Tag wird nicht einfacher sein, dachte der Jannis. Es war nicht einfacher.

 Heute, am 14.10, werden wir den 1456 m hohen Bergkönig des Bayerischen Waldes, den Arber, kennen lernen, verkündet der Otmar. Waldemar assistierte und beide versuchen, die Gruppenmoral aufzurichten. Da haben wir es! Jannis vertilgt zwei frische Brötchen, schlürft seinen Kaffee und ist erstaunt, dass sein Muskelkater von vorgestern sich nicht mehr meldet. Der Aufstieg zum Arber-Gipfel war lang aber nicht so steil. Auf der Spitze angekommen stellten wir fest, dass es nass, kalt und windig war. Die einmalige Aussicht aus dieser Höhe entschädigte uns reichlich. Auch das neben uns sich fotografierende junge Pärchen genoss lautstark das Panorama des kleinen Arber-Sees. Nach der Abfahrt mit der Gondel besuchten wir den bekannten Bahnhof in Bayerischen Eisenstein, halb deutsch und halb tschechisch, tranken das berühmte tschechische Pils und mit drei gekauften Vogelhäuschen ging es über Lam direkt zur Klara. Endlich wieder gemütlich sitzen und das gute Essen genießen.

 Jannis freut sich, dass sein Antrag, den 15.10. zum Ruhetag zu erklären, angenommen wurde. Und was machen wir heute? Wir können die Glasbläserei in Arnbruck und anschließend den Tierpark mit Wölfen, Wildkatzen, Luchsen, Fischen und Vögeln besichtigen. Das haben wir gemacht. Der gekaufte Schluckspecht aus Glas ist beim Jannis zur Besichtigung freigegeben. Auch der Otmar hat sich ein  lichtbetriebenes, ständig sich drehendes Windrad gekauft - will es aber nicht zeigen. Oder doch? Wir werden sehen. Abends bei der Klara stellten wir fest, dass dieser Ruhetag noch mehr ermüdet als die Bergwanderungen. Also, keinen Ruhetag mehr.

Die Ankündigung, dass wir heute am 16.10. den Großen und Kleinen Osser mit 1293 m Höhe besteigen würden, hat niemanden erschreckt. Das war ein Fehler! „Wenn der liebe Gott wollte, dass die Menschen wandern, hätte er ihnen Hufe wachsen lassen und keine Füße“ stammelte ein gut gelaunter, aber müder Wanderer beim Aufstieg. Der Spruch könnte auch von Jannis sein. Der Osser, groß und klein, hat zwei Bergspitzen. Da durften wir zweimal unseren obligatorischen Bergspitzenschnaps genießen. Auch nicht schlecht. Die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien verläuft über die Spitze des Großen Osser. Nachdem wir uns im Bergwachtbuch auf griechisch eingetragen haben, ging es abwärts. Abends bei der Klara wurden dann die Strapazen beim Jannis sichtbar. Die junge, flotte Bedienung hatte alles im Griff. Das bestellte Essen wurde bald serviert. Dann kommt die ältere Bedienung, Elfriede, wir haben ihr Alter auf ca. 80 geschätzt, und stellt dem Jannis ein Teller vor. Ohne Rückfragen fängt der Jannis an zu essen. Franziska wartet immer noch auf ihr Putengeschnetzeltes. Jannis fragt sich, sind das Variationen von Edelfischen? Was soll’s? Es schmeckt doch nicht schlecht, aber sind das Fische?? Vielleicht werden die hier anders zubereitet. Was sollen aber die Bananen drin? Dann stand plötzlich die junge Bedienung vor dem Jannis mit den „Variationen von Edelfischen“! Das Grinsen der Mitwanderer zeigte deutlich, dass nicht nur die 80 Jahre der Elfriede diese blamable Situation verursacht haben. Der Jannis dachte: „keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen wollen“ So was würde dem Rauber Heigl nicht passieren. Er würde auch nicht „Variationen von Edelfischen“ bestellen! Das Kartenspiel danach gewann der Jannis haushoch.

Aufstieg zum Hohen Bogen am 17.10. Das war der große Hammer. Wenn man ca. zwei Kilometer mit einer Steigung von über 30% hinter sich hat, stellt sich nicht mehr die Frage, ob es Spaß gemacht hat. Man ist einfach fertig. Auf der Bergspitze haben wir uns etwas länger aufgehalten! Aussicht und den Gipfelschnaps genießen, vor allem aber uns wieder sammeln. Nachdem der Waldemar einen toten Vogel beerdigt hat, ging es weiter. Da ein Vogel fliegt und nicht diese Steigung zu bezwingen hatte, war die Todesursache nicht nachvollziehbar. Der Rückweg war angenehm. Mit dem Besuch bei der Klara und anschließendem Kartenspiel beendeten wir das aktive Wanderprogramm in der Heimat des „Rauber Heigl“

Problemlose Rückfahrt am 18.10. nach Reichenbach.

 Fazit:  Der Bayerische Wald ist eine Reise wert, vor allem mit Sachkundigen, wie der Franziska und dem Otmar.

Die Berge und die Landschaft sind einmalig und noch naturbelassen. Die Wälder sind gesund.

Wir sind in den sieben Tagen ca. 100 Kilometer gewandert. Trotz  extremer Steigungen und       öfterem Gejammer würde der Jannis jeden Kilometer wieder wandern.

Wir alle danken Franziska und ihrem Bruder, dem Ferienhausbesitzer, dass sie diesen Urlaub ermöglicht haben.

 

Hier ist nochmals die Story des Raubers Heigl, des Robin Hood des Bayerischen Waldes:

Die Menschen, die um 1850 in den weiten, unwirtlichen Wäldern des Landkreises Kötzting lebten, litten unter bitterer Armut. Oft verdingten sich die Häusler und Waldler als Tagelöhner, um ihren schmalen Verdienst aufzubessern. Über 10 Jahre lang trieb Michael Heigl in dieser Gegend sein Unwesen, beging mit seinen Komplizen Raubzüge, narrte die Behörden ein ums andere Mal. Da er nur reiche Leute überfiel und die Armen schonte, wurde er schnell zur Heldenfigur. Die Wäldler versteckten und schützten ihn, ließen sich weder durch drastische Strafen schrecken noch mit hohen Belohnungen locken. Die Kinder seiner jungen Räubergeliebten legte Heigl reichen Bauern vor ihr Haus, mit Goldtalern in den Windeln. "Den armen Leuten hat er nichts getan, der Heigl war kein böser Mann", heißt der Refrain einer Moritat, die man heute noch im Bayerwald singt.
 

 

 
   

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