Wanderung am 11. Mai 2006

 

Kemnat-Hohenheim-Körschtal

 

 

Hohenheim, d. 11. Mey Donerstag 1780.

"Im Dörfle wurde wie geweniglich, wan es schen ist, frie gestiegdt, es war recht schen, nach mitag ließen der Herzog das Leibscorps Kommen u. teilden die Pferde ein, dan fur man spatzieren, es Kam aber ein Wetter, daß man Baldt wieder umkeren muste."

 

Auf den Tag genau 226 Jahre später nach dieser Tagebuchnotiz von Franziska von Hohenheim lud Siegfried, ein Verwandter von Roland, die Muskeltiere nach Kemnat zu einer Wanderung ein und alle fünf kamen. Mit dabei war auch ein Vetter Siegfrieds, auch ein Roland. Zunächst ging's über den Ramsbach und die mittlere Filderlinie durch eine vor ca. 30 Jahren angelegte Allee zum SCHLOSS HOHENHEIM. Jetzt eine Universität mit wunderbarem Campus und wunderbaren Studentinnen, die Studenten waren deutlich in der Unterzahl.

Siegfried klärte uns auf: Schloss Hohenheim ist die letzte große Schöpfung Herzog Carl Eugens von Württemberg, Es wandelte sich während der Bauzeit zwischen 1772 und 1793 vom kleinen Landgut zur repräsentativen Landresidenz. Hier lebte der Herzog mit seiner zweiten Gemahlin Franziska von Hohenheim, und arbeitete mit großer Energie vor allem an der Gestaltung des „Englischen Dörfle“, einer fiktiven Ortschaft mit über 60 teilweise „antiken“ Gebäuden inmitten eines Landschaftsgartens. Die Illusion vom einfachen Landleben sollte hier Wirklichkeit werden, der Ehrgeiz des Herzogs und die Vielfältigkeit des Projekts schufen eine verwirrende Fülle.

Franziska von Hohenheim führte  ihr Tagebuch über 9 Jahre von 1780 bis 1788 fast lückenlos. Mit gewöhnungsbedürftiger Schreibweise (siehe Auszug oben!). Da es Tagebuch heißt hat sie wohl nicht erwähnen wollen, was sie des nachts gemacht hat. Erotische Bemerkungen sind also  Fehlanzeige und so ist interessanter für Historiker als für Genießer.

Zurück zur Wanderung: Nach kurzer Visite des Schlosses ging's durch die ordentlich gepflegte Parkanlage zum nahen Landwirtschaftsmuseum, wo der Museumswärter im Alter den ausgestellten Geräten kaum nachstand. Der exotische Garten mit alten Bäumen aus allen Regionen der Erde war mit ein weiterer Höhepunkt des Tages. Schließlich kam der botanische Garten und die Lehranlage für den Weinbau.

 

Durchs Körschtal führte der Weg nach Scharnhausen - vorbei an einigen Mühlen, in denen heute überall Pferde untergebracht sind. Wieder fiel den Muskeltieren auf, dass 95 Prozent Reiterinnen sind, männliche Gestalten ebenso deutlich in der Unterzahl wie in der Uni Hohenheim. Gut dass Siegfried eine Runde selbstgebrannten Schnaps ausgegeben hat - zum Trost für die einsamen rein männlichen Wanderer. Und immer wieder konnte uns Siegfried Wissenswertes zu den einzelnen Mühlen und Sehenswürdigkeiten mitteilen.

Nach dem traditionellen Abschluß mit Vesper und Bier im einem Vereinsheim in Ruit und der Rückkehr nach Kemnat waren sich alle einig: Ein Super-Wanderung. Vor allem war das Wetter "schen" und es kam kein Wetter auf, das "man Baldt wieder umkeren muste". Anders wie vor 226 Jahren!!


Die Muskeltiere danken Siegfried und seinem Neffen Roland für die excellente Vorbereitung und Führung.

 

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