Wanderung am 3. März 2011

     Hasenheim Deizisau

 

 

 

Am heutigen "Schmotzigen Donnerstag" zog es die Muskeltiere Gerd, Jannis und Roland trotz des stets lockenden Rostbratens im Schurwald-Besen mal wieder in andere Gefilde. Bei lauer Frühlingsluft auf dem Weg ins Hasenheim in Deizisau passierten wir Reichenbachs mit Faschingsfähnchen geschmückte Straßen. Wir sahen jede Menge Narren, aber keine im Kostüm. Im Vorbeigehen zeigte uns Gerd noch  eine seiner Immobilien, über die er sich gerade einige Gedanken macht. Wäre eigentlich eine ideale Geschäftsstelle für die Muskeltiere, wenn einem zu Hause die Decke auf den Kopf fällt. Den Weinkeller hat er uns aber nicht gezeigt - und das wäre schon sehr entscheidend.

Am Hechtkopf bei der Verheiratung von Fils und Neckar fühlten sich Gerd und Jannis wie die Kapitäne der Titanic - siehe Bild.

Passend dazu salutierten unzählige Möwen an dieser offensichtlich attraktiven Stelle im Gewässer.

Die meisten Karnevalssendungen im Fernsehen lassen nach übereinstimmender Meinung der Muskeltiere - so sie diese überhaupt ansehen - sehr zu wünschen übrig. Wenig geistreiche Büttenredner. Mehr platte Möchtegernspassmacher. Das liegt nach einer Untersuchung des nordrheinwestfälischen Arbeitsministeriums an den gesundheitsgefährdenden Karnevalsartikeln. Viele enthalten offensichtlich Gehirnweichmacher. Man sieht das auch am unkontrollierten Schunkeln beim Narren-Publikum und den sinnentleerten Lautäußerungen wie "Helau" oder "Nahalla Marsch". Da paßt die Rede von Recep Tayyip Erdogan in Düsseldorf voll ins Bild. Der Obersultan hat da wohl einiges verwechselt. Hätte besser wie Guttenberg was klügeres abgeschrieben, als das eigene Hirn zu bemühen.

Bei einer Faschingsveranstaltung heißt es ja oft, "draussen steht ein Mann - wolle mr den reilasse". Und das Publikum entscheidet dann. Da kann die Politik noch was draus lernen: Publikumsbefragung. Die Wutbürger sagen's dann schon!! Erdogan besser draussen lassen.

Die vereinigten Journalisten sind stocksauer. Wie kann der Guttenberg so früh zurücktreten. Über was sollen sie jetzt schreiben? Schon werden Schadenersatzklagen laut. 20 Prozent aller Tageszeitungsseiten waren schon reserviert für Guttenberg, angeblich war sogar ein 200-seitiges Sonderheft der "Bunten" in Planung über KT und seine Stefanie. Und jetzt so eine Geschäftsschädigung. Wir können gespannt sein, auf die "nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird". Letzteres ist ein Zitat von Lafontaine - hoffentlich einigermaßen korrekt. Nicht dass da Plagiatsvorwürfe kommen!!

A propos Plagiat: Schon ist der Aufruf im Internet die Dissertationen weiterer prominenter Zeitgenossen auf "Echtheit" zu überprüfen. Bei Gregor Gysi sind sie schon fündig geworden. Er hat allerdings nicht abgeschrieben, sondern nur Unsinn verzapft. Seine Quellen Engels, Marx und Lenin hat er korrekt zitiert. In der DDR war das Grund genug, ihm den Doktortitel zu verleihen. Und bei der Wiedervereinigung ging dies als Kollateralschaden durch.

Plagiate hin oder her: Im Hasenheim waren wir uns alle einig: Zum Bier "Schnitzel mit Kartoffelsalat". Und diesmal hat uns Otmar sicher heimchauffiert.

RF

 

Zum Erdogan Thema nun noch ein Anhang von NECLA KELEK aus DER WELT vom 2-März-2011:

Entwurf einer Rede, die er besser hätte halten sollen:

 "Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Sie mussten vor 50 Jahren Ihr Land, Ihre Heimat, Ihre Familien verlassen, weil die Türkei damals nicht in der Lage war, Ihnen Arbeit, Sicherheit, Gesundheitsvorsorge und Ihren Kindern eine ausreichende Bildung zu geben. Dies bedaure ich zutiefst und bin unendlich dankbar für die Chancen, die Europa Ihnen in all den Jahren gegeben hat. Sie waren bereit, schwerste Arbeit unter schwierigsten Bedingungen anzunehmen, um in der neuen Heimat ein besseres Leben aufzubauen. Unsere beiden Länder profitierten von Ihnen. Deutschland von Ihrem Fleiß und wir von Ihrer finanziellen Unterstützung, die Sie für die Familien in der Türkei geleistet haben, und all den Häusern, die Sie dort gebaut haben.

Ich weiß, dass viele mittlerweile in der zweiten und dritten Generation in Deutschland leben und viele von Ihnen sich entschieden haben, Bürgerinnen und Bürger dieses Landes zu werden. Damit haben sie gezeigt, dass sie bereit sind, Verantwortung für Ihre neue Heimat zu übernehmen und die Gesellschaft dort mitgestalten zu wollen. Ihre Kinder sind somit Teil der deutschen Gesellschaft und sprechen die Sprache dieses Landes. Das ist beispielhaft. Unter Ihnen sind Ärzte, Unternehmer, Schriftsteller, Arbeiter und Beamte. Und ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf diesem Weg. Es gibt auch diejenigen unter Ihnen, die in beiden Kulturen, der türkischen und der deutschen, zu Hause sind. Sie sind die Brücke, die das jeweils Beste für sich aus beiden Kulturen leben und zu uns bringen. Andere möchten gern zurückkommen, haben aber Angst, wie sie sich in der Heimat ihrer Väter zurechtfinden werden. Diesen Menschen werden wir helfen, sich in der Türkei zu integrieren. Denn wir brauchen ihren Erfahrungsschatz, um unser Land weiter aufzubauen und ein Teil Europas zu werden.

Doch da gibt es auch eine nicht unbeträchtliche Zahl unter Ihnen, die ihr Dorf nicht wirklich verlassen haben und hier ihre alten Traditionen weiter leben wollen, als sei nichts geschehen. Die auf diese Weise aber auch verhindern, dass ihre Kinder und Kindeskinder weiterkommen. Ich sage Ihnen, Sie müssen das Dorf auch im Geiste verlassen, denn auch in der Türkei haben diese Dörfer keine Zukunft. Ergreifen Sie die Chance, aus Ihrem Leben mehr zu machen, und helfen sie Ihren Kindern, auf die eigenen Beine zu kommen.

In Ihrem Gepäck war auch der Koran. Die Religionsfreiheit in Deutschland gibt Ihnen die Möglichkeit, Moscheen zu bauen und als Gläubige zu leben. Dies ist ein Menschenrecht, und wir sind der Meinung, dass wir dafür Sorge tragen müssen, dass dieses Menschenrecht auch in der Türkei gelebt werden kann. Christen sollen ihre Kirchen bekommen und die Aleviten ihre Cem-Häuser. Wir müssen unsere Religion so leben, dass sie für die Menschen da ist und Trost spendet. Dabei müssen wir auch überprüfen, ob im Namen der Religion überholte Traditionen und Gebräuche legitimiert werden. Denn Religion ist ein Teil unserer Freiheit und die Sache jedes Einzelnen.

Wenn wir eine gemeinsame Welt bauen wollen, dann müssen wir uns gemeinsam für Menschenrechte und das Recht jedes Einzelnen auf Freiheit und Glück einsetzen. Sie hier und ich an meinem Platz."

Die Autorin ist Soziologin und hat sich mit mehreren islamkritischen Büchern einen Namen gemacht. Ihr wurden unter anderem der Geschwister-Scholl-Preis, der Hildegard-von-Bingen-Preis und im vergangenen Jahr der Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung verliehen.

 

 

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